|
UMGANG MIT AN SCHIZOPHRENIE ERKRANKTEN MENSCHEN
Der Umgang mit an Schizophrenie Erkrankten soll so respektvoll und normal
wie irgend möglich sein :
- Befremdliche Verhaltensweisen oder Ideen korrigieren zu wollen, schafft
nach aller Erfahrung Spannung und Abwehr.
- Angst oder besondere Vorsichtsmassnahmen sind in den allermeisten
Fällen überflüssig und nicht günstig.
Die Feinfühligkeit der Betroffenen ist zu
berücksichtigen :
- Menschen, die zu schizophrenen Störungen neigen, sind verletzlich.
Sie sind besonders empfänglich für Kritik, aber auch für
Anerkennung und Bestätigung.
- Ruhe und Verlässlichkeit in den Beziehungen mit der Umbebung geben
ihnen die verlorene Sicherheit wieder; Einfachheit, Offenheit und Klarheit
in allen Belangen sind heilsam.
- Unechtheit, Undurchsichtigkeit und Unaufrichtigkeit spürt der Patient.
Sie schaffen Verwirrung, Misstrauen, wahnhafte Tendenzen und defensive Kontaktscheu.
Vermag der an Schizophrenie Erkrankte *
krankheitshalber die Notwendigkeit einer Behandlung nicht einsehen und ist
in Ausnahmesituationen Zwang unvermeidlich, so soll dies ruhig und klar
mitgeteilt, begründet und dann auch ausgeführt werden.
Ziel von Therapie und Behandlung ist die Wiedererlangung
grösstmöglicher
Selbständigkeit des erkrankten Menschen:
- Therapeutische Ziele und Behandlungsprobleme sollen von Schritt zu
Schritt zusammen mit dem Patienten und seiner Umgebung (therapeutisches
Team, Familie, wichtige Bezugspersonen) festgesetzt und klar formuliert
werden.
- Für seine allgemeine Lebensführung soll dem Erkrankten so
wenig Verantwortung wie möglich abgenommen werden, da er sonst
seine Fähigkeiten mehr und mehr verliert. Überfürsorge
seitens der Angehörigen nimmt ihm ebenfalls die Möglichkeit,
selbständig zu leben.
- Besonders in akuten Zuständen ist er andererseits vor Überforderung
zu schützen.
Die Wahl
der richtigen Anforderungen an den erkrankten Menschen erfordert von seiner
Umgebung Ausgewogenheit:
- Überforderung äussert sich in erhöhter Angst, Aufregung
und vermehrten krankhaften Symptomen ("Plussymptomatik").
- Unterforderung führt zu vermehrter Gleichgültigkeit und
Passivität ("Minussymptomatik").
* Der Einfachheit halber wird
hier nur die männliche Sprachform verwendet. Weibliche Erkrankte sind
in diesen Begriff mit eingeschlossen.
Nach
Fiedler/Niedermeier/Mundt : Gruppenarbeit mit Angehörigen schizophrener
Patienten. Materialien für die psychosoziale Praxis. Psychologie
Verlags Union, München-Weinheim, 1986. Zitiert nach
Prof. Luc Ciompi, ehemaliger Direktor der Sozialpsychiatrischen Universitätsklinik
Bern, Vortrags-Handout Wien 2002. Quelle: www.pflegenetz.at |